Krankenhäuser sind auf eine sichere und zuverlässige Versorgung angewiesen und gleichzeitig auf große Mengen an Materialien. Im Gesundheitswesen in Deutschland fallen jährlich rund fünf Millionen Tonnen Abfall an (1). Eine 2026 veröffentlichte bundesweite Studie mit 122 deutschen Krankenhausstandorten kommt auf durchschnittlich 4,23 Kilogramm Abfall pro Bett am Tag. Bei Universitätskliniken waren es sogar 5,58 Kilogramm. Insgesamt wurden bei der Untersuchung mehr als 103.000 Tonnen Krankenhausabfälle dokumentiert. Aber nicht jeder dieser Abfälle ist gleich gefährlich oder infektiös. Laut Studie waren rund 91 % der Abfälle nicht gefährlich, lediglich 1,4 % wurden als infektiös eingestuft. Gleichzeitig beträgt demnach die Restabfallkategorie 60,6 % der Gesamtmenge (2) .
Für medizinische Produkte und Verbrauchsmaterialien gelten besondere Anforderungen an Patientensicherheit, Hygiene und Versorgungsqualität. Die Frage ist deshalb nicht nur, wie Abfälle richtig entsorgt werden, sondern auch, wo Materialien eingespart, länger genutzt, wiederverwendet oder in den Kreislauf zurückgeführt werden können (1).
Kreislaufwirtschaft wird im Gesundheitswesen konkreter
Unter Kreislaufwirtschaft versteht man, den Wert von Produkten und Rohstoffen möglichst lange zu erhalten und Materialien so lange wie möglich im Kreislauf zu führen (3).
Ein aktueller Anlass dafür ist die im August 2026 veröffentlichte praxisorientierte Broschüre „Zirkuläre Alternativen im Gesundheitswesen“. Eine vom Bundesministerium und vom Bundesgesundheitsministerium initiierte Arbeitsgruppe hat darin untersucht, welche zirkulären Ansätze im Gesundheitswesen bereits heute funktionieren, wo noch Hürden bestehen und wie sich entsprechende Lösungen stärker in der Praxis verankern lassen. Im Mittelpunkt stehen unter anderem zirkuläre Beschaffung, Mehrweg- und Mietmodelle, Spenden und Weitergabe, Wiederverwendung, Aufbereitung sowie Recycling von medizinischen Produkten und Verbrauchsmaterialien (1).
Auch auf Bundesebene hat das Thema 2026 an Bedeutung gewonnen. Am 03. Juni 2026 beschloss die Bundesregierung ein Aktionsprogramm zur Umsetzung der Nationalen Kreislaufwirtschaftsstrategie. Bis Ende 2027 sollen darin zwölf zentrale Maßnahmen vorangetrieben werden. Für die Umsetzung der Strategie sind bis 2029 insgesamt 260 Millionen Euro vorgesehen (3).
Wo können Krankenhäuser ansetzen?
Eine erste Option ist die Aufbereitung und erneute Nutzung geeigneter Medizinprodukte. Die Aufbereitung kann innerhalb einer Gesundheitseinrichtung oder durch spezialisierte externe Dienstleister erfolgen. Voraussetzung sind geeignete Prozesse sowie die Einhaltung der geltenden Anforderungen an Hygiene, Funktion und Sicherheit (4).
Auch Möbel und medizinische Geräte können durch eine längere Nutzung eine einfache Form der Kreislaufwirtschaft darstellen. Die aktuelle Broschüre der Arbeitsgruppe nennt als möglichen Lösungsansatz beispielhaft die Möbelbörse der Universitätsmedizin Halle. Dort werden ausgesonderte Möbel und medizinische Geräte zunächst gesammelt und auf eine weitere Verwendung innerhalb der Klinik geprüft, bevor diese endgültig entsorgt werden (1).
Eine weitere Möglichkeit ist die Beschaffung. Schon bei der Auswahl von Produkten können Krankenhäuser prüfen, ob Mehrwegvarianten, Rücknahme- oder Recyclingsysteme, Reparaturmöglichkeiten oder andere zirkuläre Geschäftsmodelle verfügbar sind (1).
Mehrweg statt Einweg? Es kommt auf den Einzelfall an.
Bei der Kreislaufwirtschaft wird häufig zunächst über Einweg oder Mehrweg gesprochen. Im Klinikalltag kann aber eine andere Frage noch wichtiger sein: Wird das Produkt in dieser Situation überhaupt benötigt?
Ein aktuelles Beispiel ist die Kampagne „Mit oder Ohne? – Handschuhe bewusst einsetzen“ des Kompetenzzentrums für klimaresiliente Medizin und Gesundheitseinrichtungen (KliMeG). Sie setzt auf einen indikationsgerechten Einsatz von nicht sterilen Einmalhandschuhen und macht deutlich, dass ein Handschuh nicht automatisch mehr Sicherheit bedeutet (5). KliMeG verweist auf eine Studie, bei der man zum Ergebnis kam, dass eine gute Handhygiene wichtiger ist als das routinemäßige Tragen von Handschuhen und kann diese in vielen Situationen ersetzen. (6).
Kreislaufwirtschaft im Krankenhaus bedeutet nicht gleich jedes Einwegprodukt durch ein Mehrwegprodukt zu ersetzen. Besonders bei Medizinprodukten stehen Patientensicherheit und Infektionsprävention an erster Stelle. Deshalb gelten detaillierte Anforderungen an Reinigung, Desinfektion, Sterilisation, Kontrolle und Validierung. Eine zentrale fachliche Grundlage bietet hier die gemeinsame Empfehlung von KRINKO und BfArM (4).
Der Einstieg kann klein beginnen
Für Krankenhäuser muss der Weg zur Circular Economy nicht mit einer umfassenden Umstellung beginnen. Ein sinnvoller erster Schritt kann sein, besonders material- und abfallintensive Bereiche zu identifizieren, bestehende Beschaffungsprozesse zu prüfen und für ausgewählte Produktgruppen zirkuläre Alternativen zu untersuchen.
Die aktuellen Handlungsempfehlungen des Bundes zeigen: Zirkuläre Lösungen sind im Gesundheitswesen bereits heute in verschiedenen Bereichen möglich. Entscheidend ist, sie dort einzusetzen, wo ökologische Vorteile, Patientensicherheit, Qualität und Wirtschaftlichkeit zusammenpassen. So kann Schritt für Schritt eine strategische Kreislaufwirtschaft im Krankenhaus entstehen.
(1) NKWS-Arbeitsgruppe „Zirkularität für medizinische Produkte und Verbrauchsmaterialien im Gesundheitswesen“: Zirkuläre Alternativen im Gesundheitswesen, August 2026. https://www.kreislaufwirtschaft-deutschland.de/fileadmin/user_upload/05_Mediathek/Publikationen_der_Arbeitsgruppen/AG_Zirkularit%C3%A4t_im_Gesundheitsektor/NKWS_Brosch%C3%BCre_Zirkul%C3%A4re_Alternativen_im_Gesundheitswesen.pdf
(2) Vielsack et al.: Healthcare waste in German hospitals: A nationwide benchmark study, Waste Management & Research, 2026. https://pmc.ncbi.nlm.nih.gov/articles/PMC13191062/
(3) Bundesumweltministerium: Aktionsprogramm der Bundesregierung zur Umsetzung der Nationalen Kreislaufwirtschaftsstrategie, Juni 2026. https://www.bundesumweltministerium.de/download/aktionsprogramm-der-bundesregierung-zur-umsetzung-der-nationale-kreislaufwirtschaftsstrategie
(4) KRINKO beim Robert Koch-Institut / BfArM: Anforderungen an die Hygiene bei der Aufbereitung von Medizinprodukten, 2012. https://www.rki.de/DE/Themen/Infektionskrankheiten/Krankenhaushygiene/KRINKO/Empfehlungen-der-KRINKO/Basishygiene/Downloads/Medprod_Rili_2012.html
(5) KliMeG: Mit oder Ohne? – Handschuhe bewusst einsetzen. https://klimeg.de/mit-oder-ohne/
(6) Bellini et al.: Providing care to patients in contact isolation: is the systematic use of gloves still indicated?, Swiss Medical Weekly, 2022. https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/35147391/
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