Das Thema Nachhaltigkeit im Gesundheitswesen wird häufig noch vor allem mit zusätzlichen Kosten verbunden. Dabei zeigt sich in der Praxis zunehmend, dass nachhaltige Maßnahmen auch wirtschaftliche Potenziale eröffnen können. Genau diese Verbindung von ökologischer Verantwortung, organisatorischer Umsetzung und betriebswirtschaftlicher Relevanz stand im Mittelpunkt des 3. Regionalsymposiums „Nachhaltigkeit im Gesundheitswesen“ an der Westsächsischen Hochschule Zwickau.
Am Montagvormittag kamen in Zwickau rund 25 Teilnehmende aus Krankenhäusern, Gesundheitseinrichtungen und Hochschulen zusammen, um über konkrete Ansätze für mehr Nachhaltigkeit im Gesundheitswesen zu diskutieren. Ein Schwerpunkt lag dabei auf EMAS, dem europäischen Umweltmanagementsystem, das Einrichtungen dabei unterstützt, ihre Umweltleistungen systematisch zu erfassen, zu verbessern und transparent zu machen.
Im Zentrum stand weniger die grundsätzliche Frage, ob sich das Gesundheitswesen verändern muss, sondern vielmehr, wie entsprechende Veränderungen praktisch umgesetzt werden können. Diskutiert wurde, wie Kliniken und Gesundheitseinrichtungen nachhaltiger arbeiten können, ohne dabei die besonderen Anforderungen des Versorgungsalltags aus dem Blick zu verlieren.
Das Symposium wurde erneut gemeinsam von der Fakultät Gesundheits- und Pflegewissenschaften der WHZ und der DKTIG, einer Tochtergesellschaft der Deutschen Krankenhausgesellschaft, organisiert. Bereits zum dritten Mal bot die Veranstaltung einen Rahmen, in dem wissenschaftliche Perspektiven und praktische Erfahrungen aus dem Gesundheitswesen zusammengeführt wurden.
Dabei wurde deutlich: Nachhaltigkeit ist im Krankenhauskontext längst kein reines Image- oder Zusatzthema mehr. Sie entwickelt sich zunehmend zu einer strategischen Aufgabe, die Fragen der Ressourceneffizienz, Organisation, Finanzierung und Zukunftsfähigkeit miteinander verbindet.
Das wurde bereits im Anschluss an die Eröffnung durch den WHZ-Rektor Prof. Dr. Stephan Kassel deutlich. Im weiteren Verlauf standen Nachhaltigkeitsberichterstattung, Umweltmanagementsysteme und strategische Transformationsprozesse im Mittelpunkt. René Schubert von der DKTIG Leipzig, Falk Wagner vom DRK Klinikum Rabenstein und Thomas Voß, ehemaliger Geschäftsführer der LWL-Kliniken Münster und Lengerich, thematisierten EMAS und die Frage, welche Rolle Umweltmanagement künftig im Krankenhausbetrieb spielen kann.
Dabei wurde klar, dass Krankenhäuser zunehmend nicht mehr nur klassische Leistungs- und Steuerungsgrößen wie Bettenzahlen, Fallzahlen oder Erlöse im Blick haben müssen. Auch Energieverbrauch, Ressourceneinsatz, Materialströme und Emissionen gewinnen an Bedeutung. Was zunächst nach zusätzlicher Verwaltung klingt, verweist in der Praxis auf einen umfassenderen organisatorischen Wandel.
Krankenhäuser zählen zu den besonders ressourcen- und energieintensiven Einrichtungen. Sie sind rund um die Uhr in Betrieb, benötigen große Mengen an Strom, Wärme, Wasser und medizinischem Material und stehen zugleich unter wachsendem politischen, regulatorischen und gesellschaftlichen Erwartungsdruck. Nachhaltigkeit wird damit zunehmend Teil der strategischen Ausrichtung von Gesundheitseinrichtungen.
Auch beim Mittagessen wurde das Thema praktisch greifbar. Serviert wurden unter anderem die sogenannten „Klimaklopse“ aus dem Klinikum Münster. Dabei handelt es sich um Fleischklopse mit einem um 30 Prozent reduzierten Fleischanteil. Das Beispiel zeigte, dass nachhaltige Ernährung im Krankenhaus nicht zwingend mit Verzicht gleichgesetzt werden muss, sondern auch über schrittweise Anpassungen umgesetzt werden kann. Im Vordergrund stehen dabei ein geringerer Ressourceneinsatz, eine bessere Klimabilanz und eine weiterhin hohe Alltagstauglichkeit.
Gerade darin lag ein zentraler Gedanke des Symposiums: Nachhaltigkeit wird im Gesundheitswesen vor allem dann wirksam, wenn sie in konkrete betriebliche Abläufe übersetzt wird.
Am Nachmittag wurde dieser Praxisbezug weiter vertieft. Adina Oppitz vom Rudolf Virchow Klinikum Glauchau sprach über nachhaltige Speisenversorgung. Sabine Wiesmann von der Findig Projekt GmbH Dresden stellte gemeinsam mit Sandra Schubert vom Klinikum Chemnitz konkrete Klimaanpassungsmaßnahmen für Gesundheitseinrichtungen vor. Im Fokus standen dabei Herausforderungen wie Hitzewellen, Belastungsspitzen und infrastrukturelle Anpassungsbedarfe. Krankenhäuser müssen sich künftig nicht nur mit der Versorgung klimabedingter Gesundheitsfolgen auseinandersetzen, sondern auch ihre eigenen Strukturen widerstandsfähiger gegenüber klimatischen Veränderungen machen.
Auffällig war dabei der sachliche und praxisorientierte Charakter der Veranstaltung. Im Vordergrund standen weniger abstrakte Grundsatzdebatten, sondern konkrete Erfahrungen, Maßnahmen und Umsetzungsfragen aus dem Klinikalltag. Nachhaltigkeit wurde nicht als kurzfristiger Trend behandelt, sondern als Thema, das zunehmend in den Regelbetrieb von Gesundheitseinrichtungen hineinwirkt.
Mitorganisator René Schubert fasste diese Entwicklung dahingehend zusammen, dass sich das Thema zunehmend etabliere und „auch zum Erfolgsfaktor“ werde.
Über lange Zeit wurde Nachhaltigkeit im Krankenhausbereich vor allem als zusätzliche Aufgabe verstanden. Inzwischen wird sie stärker mit Fragen der Wirtschaftlichkeit, Resilienz, Personalbindung, Versorgungsqualität und strategischen Zukunftsfähigkeit verbunden. Energieeffizienz, nachhaltige Ernährungskonzepte und Klimaanpassung sind damit keine Randthemen mehr, sondern werden zunehmend Bestandteil einer langfristigen Krankenhausentwicklung.
Dass das Regionalsymposium bereits zum dritten Mal stattfand und erneut Akteurinnen und Akteure aus Wissenschaft, Praxis und Gesundheitswesen zusammenbrachte, zeigt die wachsende Relevanz des Themas.
Die vierte Ausgabe des Symposiums ist bereits für Mai 2027 geplant. Damit zeigt sich, dass Nachhaltigkeit im Gesundheitswesen zunehmend aus der Phase einzelner Pilotprojekte herauswächst und stärker in kontinuierliche Austausch- und Umsetzungsprozesse übergeht.
Für Fragen zur Umsetzung in der Software-Lösung steht unser Team des Geschäftsbereichs Nachhaltigkeit und Klimaschutz gern zur Verfügung.
Wählen Sie einfach und bequem eine Demotemin aus.

